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„Jede Schule braucht eine Kirsten Clabes“: DRK-Sozialarbeiterin als wichtige Kontaktperson für Schüler:innen und Eltern mit Migrationshintergrund

Eine ungewöhnliche Zusammenarbeit ist an der Grundschule Einswarden in Nordenham implantiert worden: Eine Sozialarbeiterin des DRK Kreisverbandes Wesermarsch e.V. arbeitet als Migrationshelferin in der Ganztagsschule.

 

„Das passt wie die Faust aufs Auge“, sagt Schulleiterin Karin Wewer über Kirsten Clabes. Die 59-jährige Frau aus Kleinensiel, examinierte Krankenschwester und Kauffrau für Gesundheitswesen, hatte sich noch mal zu einer einjährigen Weiterbildung zur Sozialberaterin entschlossen. Für das erforderliche fünfmonate Praktikum bewarb Kirsten Clabes sich bei der Grundschule in Einswarden – und rannte bei Karin Wewer offene Türen ein.

Nun galt es für die Schulleiterin, einen Maßnahmeträger für die Anstellung zu suchen. Sie fand ihn schließlich beim DRK-Kreisverband Wesermarsch. Kreisgeschäftsführer Peter Deyle klagt zwar auch über „kaum noch vorhandene Finanzmittel für Migrationsförderung“, zeigte sich aber offen für die Einstellung von Kirsten Klages.

Die arbeitet nun auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages des DRKs mit dem Kostenträger Landesschulbehörde fünf Mal drei Stunden in der Woche in der Schule. Der Kooperationsvertrag sieht täglich von 13 bis 16 Uhr Kurse für interkulturelle Begegnungen vor. Dazu gehören Ernährungskurse ebenso wie Erste Hilfe oder „Kinder in Bewegung“. Kirsten Clabes Engagement geht noch über den Arbeitsvertragsinhalt hinaus, betont Karin Wewer, die an der Grundschule Einswarden mit ihrem Kollegium rund 100 Kinder unterrichtet. Das waren bis zur Einwanderungswelle im Jahr 2015 neben deutschen Jungen und Mädchen vor allem türkischstämmige Kinder. Aktuell beträgt der Anteil mit Migrationshintergrund 50 Prozent, „Tendenz steigend“, sagt Karin Wewer. Jungen und Mädchen aus Syrien, Russland, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Nigeria toben unbeschwert über den Schulhof an der Straße „An den Wurten“, beäugt auch von Kirsten Clabes.

Sie ist die wichtige Kontaktperson zu den Elternhäusern geworden. „Wir merken schon, dass verschiedene Zustände sich verbessern“, erzählt Karin Wewer über die seit Dezember vergangenen Jahres laufende Arbeit von Kirsten Clabes. Sie vermittelt bei Verständigungs- und Verständnisproblemen zwischen Eltern und Lehrern, hilft bei Schulan- und ummeldungen, Ausflügen, der Schulbuchausleihe, fehlenden Schulmaterialien und geht auch unentschuldigtem Fehlen nach.

„Kinder sind Indikatoren ihres familiären Umfeldes. Man sieht ihnen an, wenn zuhause Veränderungen entstanden sind. Wenn es den Kindern gutgeht, gehts auch der Famlie gut“, weiß sie. Auch abseits des Schulbetriebes kümmert sich die Sozialarbeiterin um Abhilfe bei unerträglichen Wohnverhältnissen, Sorgen und Nöten von Eltern sowie Schwierigkeiten im Umgang mit Behördern. Zudem vermittelt sie erste Sprachkenntnisse.

„Jede Schule braucht eine Kirsten Clabes“, zieht Leiterin Karin Wewer eine Zwischenbilanz dieser neuen und vielversprechenden Zusammenarbeit der Grundschule Einswarden mit dem DRK Kreisverband Wesermarsche e.V.

/Lutz Timmermann