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„Junge Menschen haben Lust sich auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und Gesellschaft zu gestalten.“

Das Deutsche Jugendrotkreuz (JRK) hat mit Marcel Bösel seit Sonntag eine neue ehrenamtliche Leitung. Wir haben ihn getroffen und mit ihm über ehrenamtliches Engagement und spannende Projekte gesprochen. Wie das JRK aktuell aufgestellt ist und welche Entwicklungen angestrebt werden, erzählt er uns im Interview:

 

Anne-C. Weller: Herzlichen Glückwunsch zur neuen Position als jüngster JRK-Bundesleiter in der Geschichte! Wie fühlt man sich so frisch nach der Wahl?

Marcel Bösel: Vielen Dank für die lieben Glückwünsche! Es ist ein gutes Gefühl, nach vier Jahren Bundesleitungszeit in der stellvertretenden Position der JRK-Bundesleitung erneut die Stimme und das Vertrauen der Delegierten im Namen der 140.000 Mitglieder unseres Jugendverbandes bekommen zu haben. Ich bin stolz darauf, Teil eines so großen und starken Jugendverbandes wie dem Jugendrotkreuz zu sein und diesen nun die kommenden vier Jahre mit meinem Team und unseren 19 Landesverbänden gestalten zu können. Das ist nicht nur ein gutes, sondern ein großartiges Gefühl!

 

Anne-C. Weller: Vorab, für unsere Leser:innen, die den Begriff JRK zum ersten Mal hören: Was ist das ´Jugendrotzkreuz` und welche Aufgaben übernimmt die JRK-Bundesleitung?

Marcel Bösel: Das Jugendrotkreuz ist ein bundesweit aktiver Jugendverband, der sich für die Interessen junger Menschen im Alter von 6-27 Jahren einsetzt und nicht für, sondern mit ihnen, großes bewegt. Als eigenständiger Jugendverband im Deutschen Roten Kreuz engagieren sich unsere 140.000 Mitglieder für die Themen Gesundheit, Umwelt, Frieden und internationale Verständigung. Für uns ist es selbstverständlich, dass junge Menschen einen Raum haben, wo sie selbstbestimmt agieren und sich einbringen können.  Die JRK-Bundesleitung leitet hierbei die Geschicke des Jugendrotkreuzes auf Bundesebene und sorgt zusammen mit unseren 19 Landesverbänden für bundesweit gute Rahmenbedingungen sowie für eine zukunftssichere Ausrichtung.

 

Anne-C. Weller: Eine vierjährige Amtszeit liegt vor dir und deinen Stellvertreterinnen. Kannst du schon sagen, auf welche Projekte ihr aktuell baut und wofür ihr euch langfristig einsetzen möchtet? Was steht auf deiner ganz persönlichen Agenda?

Marcel Bösel: Ein wichtiges Thema, welches aktuell bereits in der Entwicklung ist, ist unsere neue JRK-Kampagne, die ab 2022 bundesweit Anwendung finden wird. Das JRK führt regelmäßig Kampagnen durch, welche Themen aufgreifen, die Kindern und Jugendliche besonders unter den Nägeln brennen. Mit dem Arbeitstitel „Unsere Stimme! Unsere Zukunft! Die JRK- Kampagne für Kinderrechte und Jugendbeteiligung“ hat sich das Deutsche Jugendrotkreuz nach einem großen Beteiligungsprozess für die Themen Kinderrechte und Jugendbeteiligung ausgesprochen und beschloss das Thema auf der JRK-Bundeskonferenz 2020. Aber auch die Themen JRK-Schularbeit und Nachhaltigkeit finden aktuell einen hohen Stellenwert im JRK, wofür wir uns weiterhin in- und außerhalb des Roten Kreuzes stark machen werden. Persönlich freue ich mich vor allem auch auf das neue Team in der JRK-Bundesleitung und meine neue Rolle als JRK-Bundesleiter. Gemeinsam werden wir unsere ganze Kraft, unsere Leidenschaft und unser Herz für die Themen im JRK einsetzen, um unseren Jugendverband aktiv zu gestalten und um Kindern und Jugendlichen eine starke Stimme zu geben.

 

Anne-C. Weller: Wenn ich deine DRK-Vita lese, wird schnell deutlich, du bist schon seit Kindesbeinen „im Zeichen der Menschlichkeit“ für das Jugendrotkreuz aktiv. So lautet einer der Slogans des JRK. Was hat dich seinerzeit zum JRK gebracht, und was ist aus deiner Sicht das Besondere am Jugendrotkreuz?

Marcel Bösel: Meine Großeltern haben mich schon in jungen Jahren an die Hand genommen und an das Ideengut des Roten Kreuzes herangeführt. So bin ich mit 10 Jahren durch eine neu gegründete Ortsgruppe ins Jugendrotkreuz gekommen, habe später meine Gruppenleiterausbildung gemacht und wurde kurz darauf in die JRK-Kreisjugendleitung gewählt. Für mich ist das Jugendrotkreuz wie ein zweites Zuhause, wo ich gerne hingehe, mich mit tollen Menschen austauschen kann und nebenbei auch noch etwas Gutes tue. Junge Menschen haben Lust sich auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und Gesellschaft zu gestalten. Das Jugendrotkreuz schafft genau solche Räume.

 

Anne-C. Weller: Weltweit setzt sich „die junge Generation“ zurzeit stark für Klima- und Nachhaltigkeitsziele ein. Spielen diese Themen auch beim JKR eine Rolle? Wenn ja, warum und in welcher Form?

Marcel Bösel: Selbstverständlich! Das Jugendrotkreuz setzt sich schon seit vielen Jahren für die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit ein. Mit der Kampagne „Klimahelfer: Änder' was, bevor's das Klima tut“ hat das JRK das Thema bundesweit von 2012-2014 in den Fokus gerückt und auch jetzt ist das Thema aktueller denn je. Somit hat sich auch die JRK-Bundeskonferenz 2019 erneut für die Wichtigkeit der Themen ausgesprochen und setzt sich seitdem ein jährliches Jahresziel, welches gesamtverbandlich Anwendung findet. So sollen beispielsweise alle Veranstaltungen auf Landes- und Bundesebene frei von Einweg-Plastik sein und Ernährung überwiegend regional und saisonal zubereitet werden.

 

Anne-C. Weller: Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. 2008 hast du als damals 10-Jähriger in der Ortsgruppe Rastede angefangen und dich seitdem in unzählige Projekte federführend eingebracht. Da gibt es sicher einige schöne Erinnerungen. An welche Momente erinnerst du dich gerne zurück?

Marcel Bösel: Es sind viele Momente, auf die ich gerne zurückschaue. Ich habe viele tolle Menschen getroffen, viele Erfahrungen sammeln können und Freunde fürs Leben gefunden. Ein wesentliches Projekt, wodurch ich auch Kontakt zum JRK-Bundesverband bekommen habe und mich entsprechend als stellvertretender JRK-Bundesleiter hab aufstellen lassen, war das Projekt „Circus Zeichen setzen“, welches ich mit Spenden der NWZ-Weihnachtsaktion 2015 über den DRK-Landesverband Oldenburg von 2015-2016 initiiert und umgesetzt habe. Bei dem Projekt haben sich rund 70 geflüchtete und einheimische Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter dem Motto „Kinder helfen Flüchtlingskindern“ für eine vielfältige Gemeinschaft eingesetzt und eine großartige Zirkusshow erarbeitet, welche Ende 2016 im echten Zirkuszelt aufgeführt wurde.

 

Anne-C. Weller: Noch eine persönliche letzte Frage: Wenn du nicht gerade für das JRK unterwegs bist, wo findet man dich dann?

Marcel Bösel: Eine schwierige Frage, denn ich verbringe gerne meine Freizeit im JRK, wo ich mich einfach Willkommen und Zuhause fühle. Auch in den anderen Gemeinschaften vom DRK bringe ich mich gerne ein, und nutze die Gelegenheit für einen guten kollegialen Austausch untereinander. Nachdem ich im letzten Jahr mein eigenes Zuhause bauen durfte, verbringe ich meine Zeit aber auch gerne mit Freunden im Garten oder gehe gerne schwimmen, um mal den Kopf frei zu bekommen.

 

Anne-C. Weller: Marcel, vielen Dank für das interessante Interview. Für die vor dir liegenden Aufgaben wünschen wir dir ein glückliches Händchen, viel Raum für neue Ideen und die nötige Gelassenheit bei anstehenden Herausforderungen. Wir sind gespannt, was wir in nächster Zeit von dir und dem JRK noch so hören :)

Marcel Bösel: Das dürft ihr. Vielen Dank, auch für das Interesse und deine Zeit.

 

/acweller