Vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 haben die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege an der Aktionswoche für die bundesweit geförderten Programme im Bereich Migration und Flucht teilgenommen. Im Fokus stand, die Arbeit der Träger sichtbarer zu machen und politische Akteure im Vorfeld der Haushaltsberatungen für 2027 von der Notwendigkeit einer verlässlichen und dauerhaften Finanzierung der Bundesprogramme zu überzeugen. Insbesondere soll die Bedeutung der Programme für ratsuchende Menschen sowie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt in den Blick genommen werden. Der Asylverfahrensberatung (AVB) droht eine Kürzung um 80%. Auch bei der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) sind laut Haushaltsentwurf für 2027 drastische Kürzungen geplant. „Dies gefährdet über Jahre gewachsene, für das Gemeinwesen unverzichtbare Strukturen - mit spürbaren Folgen für laufende Integrationsprozesse“ so Natascha Beyer-Zamblé, Fachbereichsleitung Migration, DRK-Landesverband Oldenburg).
Auf Einladung des DRK-Landesverbandes Oldenburg e.V. besuchte der Bundestagsabgeordnete Dr. Alaa Alhamwi (Bündnis 90/Die Grünen, Wahlkreis Oldenburg - Ammerland) und seine Wahlkreismitarbeiterin Wenke Mona Oltmanns die DRK Migrations- und Flüchtlingsberatungsstelle zu einem gemeinsamen Gespräch mit Fachkräften des DRK sowie des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems e. V.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die aktuelle Situation der Migrationsfachdienste und die zunehmende finanzielle Unsicherheit der Beratungsangebote. Die Fachkräfte stellten ihre Arbeit vor und erläuterten, welche wichtige Rolle die MBE bei der Integration und gesellschaftlichen Teilhabe spielt. „Beratungsangebote sind essentiell für das Ankommen, die Orientierung, die Selbstständigkeit und die gesellschaftliche Teilhabe. Sie ermöglichen Menschen, ihre Angelegenheiten zunehmend selbstständig zu regeln und entlasten dadurch auch langfristig staatliche und gesellschaftliche Strukturen“ betont Henrike Pauling, Leiterin des DRK Begegnungszentrums KAISER 19.
Herr Dr. Alaa Alhamwi bestätigte aus eigener Erfahrung wie wertvoll und wichtig die Migrationsberatung beim Ankommen in Deutschland sein könne. Die Fachkräfte leisteten jeden Tag einen wichtigen Beitrag für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen auf Bundesebene erklärte der Abgeordnete, sich für die Migrationsfachdienste der Freien Wohlfahrtspflege einzusetzen.
„Die Migrationsdienste als stabilisierende Säulen unserer Gesellschaft müssen gestärkt werden. Eine nachhaltige, auskömmliche, verlässliche und gesetzlich verankerte Regelfinanzierung der Beratungsstrukturen ist notwendig und wiederkehrende Unsicherheit im Haushalt sollte ausgeschlossen werden“ unterstreicht Dr. Rima Chahine, DRK-Migrationsberaterin.
Ein weiteres Thema war die angekündigte Richtlinie für die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) ab 2027, die die Beratungsstellen vor besondere Herausforderungen und strukturelle Unsicherheiten stellt. Zwar bleibt das übergeordnete Förderziel bestehen, die Neuregelung sieht jedoch eine strikte zeitliche und inhaltliche Verengung des Angebots vor. Eine Beratung ist regulär nur noch bis zu drei Jahre nach Einreise zulässig, eine Verlängerung auf maximal fünf Jahre erfordert eine gesonderte Begründung.
Parallel dazu wird das Beratungsspektrum eingeschränkt: Zentrale Themen wie die Anerkennungs-, Asyl-, Einbürgerungs- oder Rentenberatung sind ausgeschlossen. „Angesichts der anhaltend komplexen Lebenslagen der Ratsuchenden droht hier eine gefährliche Versorgungslücke. Eine Weiterleitung an andere Stellen ist nicht immer möglich, da es schon jetzt an spezialisierten Fachberatungsangeboten fehlt. Wie können Ratsuchende unter diesen Bedingungen noch rechtzeitig erreicht werden, und wo finden sie außerhalb der starren Fristen und Themen künftig die dringend notwendige Unterstützung?“ fragen sich Anda Nicolae-Vladu und Dr. Lulavere Dervishaj, DRK MBE-Beraterinnen.
Die Gesprächsteilnehmenden ziehen eine durchweg positive Bilanz des Besuchs: In dem sehr konstruktiven Austausch signalisierte der Bundestagsabgeordnete volle Unterstützung und versprach, sich in Berlin nachdrücklich für eine nachhaltige Finanzierung einzusetzen.
Weiterführende Informationen zu den Angeboten der Migrationsfachdienste und zur Aktionswoche finden Sie in den Factsheets der BAGFW zur MBE, AVB und Bundesflüchtlingsprogramm/ PSZ unter: www.bagfw.de/themen/migration-und-integration
